Der Abmischvorgang darf
die Signalqualität nicht verändern
Das Pfleid-Marot-Mixing-Verfahren stellt sicher,
dass dem zu bearbeitenden Musikmaterial weder durch Geräte wie
z.B.Mischpult, Lautsprecher oder Verstärker, noch durch
Einrichtungen wie z.B. Abhörräume, oder die Bearbeitung des
Musiksignals, also dem Zusammensetzen des Klangbilds aus den Teilen der
unterschiedlichen Aufnamebereiche, Fehler im Schalldruck- noch im
Phasenverlauf zugefügt werden.
Weil beim
Zusammenmischen der
Mikrofone nur ihre unterschiedlichen Aufnameflächen auf der
Bühne
wieder
zusammengesetzt werden, und keine
Klangbearbeitung erfolgt, bleiben die ursprünglichen
Klangeindrücke sowie die Wahrnehmung der unterschiedlichen
Entfernungen der Instrumente vorne und hinten, von der Aufführung
her, vollständig erhalten.
Das Musikmaterial ist und bleibt räumlich richtig und musikalisch unverfälscht.Der Klang und die Ortungsmöglichkeiten bleiben unverändert erhalten. Es ist deswegen auch von einer Klarheit und Direktheit, dass die musikalische Botschaft des Dirigenten den Hörer ganz unmittelbar erreicht.Der am meisten gehörte Kommentar von Leuten, die zum ersten Mal diese neue Qualität hörten, ist "plötzlich war ich auf dem besten Platz mit dabei und hörte alle Feinheiten der Musik wie live". Der Höreindruck und die Natürlichkeitsempfindung entsprechen beim PfleidRecording und Pfleid-Marot-Mixing tatsächlich dem Original.
Das
Aufnahmeverfahren mit Haupt- und Stützmikrofonen
Die klangliche Bewertung von
PfleidRecording und Pfleid-Marot-Mixing
Ein akustisches Schlüsselerlebnis
Das folgende
Beispiel veranschaulicht, wie
fragwürdig Bewertungen bei Lautsprechertests sein können,
wenn der Hörer sich
nicht über die akustischen Einflüsse im Klaren ist. Es soll
aber auch zeigen,
daß der Leser selbst auf den Klang seiner Lautsprecher
Einfluß nehmen kann,
wenn er um die akustischen Zusammenhänge Bescheid
weiß.
Der Autor ist mit Musik aufgewachsen, sein Vater hat
als Pianist sogar Konzerte gegeben, Hausmusik fand praktisch immer
statt. Durch
das abgeschlossene Studium an der Technischen Universität in
München war auch
genügend Fachwissen vorhanden, um mit Lautsprechern fachlich
fundierte Versuche
durchführen zu können. Es war das Ziel, einen Lautsprecher so
zu bauen, daß mit
seiner Hilfe die Musik so klingt wie er es von früher von der
Aufführung mit
wirklichen Musikern her kannte.
Nach einigen Bauversuchen gelang ein gut klingender
Lautsprecher. Als dieser Lautsprecher jedoch zu einem Freund
mitgenommen wurde
um seine Vorzüge deutlich zu machen, klang er plötzlich
schlecht. Die
Lautsprecher des Freundes aber klangen ganz hervorragend. Der Autor bat
den
Freund, ihm seine Lautsprecher mitzugeben, um
herausfinden zu können, warum sie so gut klangen. Wieder
bei sich
zuhause stellte der Autor beide Lautsprecherpaare noch einmal
nebeneinander und
machte erneut einen vergleichenden Hörtest. Nun war es genau
umgekehrt. Die
Lautsprecher des Freundes klangen jetzt schlecht, und seine eigenen
Lautsprecher klangen wieder hervorragend.
Die Akustik hat gemäß ihrer Definition unmittelbar
mit dem Hören zu tun. Sie bestimmt maßgeblich die
Qualität der sprachlichen
Verständigung der Menschen untereinander. Sie ist deshalb eines
der ältesten
Fachgebiete, mit dem sich die Menschheit befaßt hat.
Psychoakustik
Bis vor der
Veröffentlichung der Arbeiten des Autors in der Funkschau (Das
Pfleidprinzip) wurden in der Akustik nur die
Begriffe "Direktschall" und "Nachhall" verwendet. Als
Direktschall wurde der Schall bezeichnet, der auf direktem Weg von der
Schallquelle zum Ohr des Hörers gelangt. Als Nachhall bezeichnete
man alle
Schallwellen, die nach dem Direktschall, als sogenannte
"Reflexionen", das Ohr des Hörers erreichten. Als Nachhalldauer
wurde
die Zeit festgelegt, in der der Schallpegel der Reflexionen auf 1/1000
des
Direktschallpegels absinkt.
Ein vom
menschlichen Gehör als gut empfundenes, klar
und deutlich wahrnehmbares Hörereignis kann demnach in die
folgenden Anteile
eines räumlichen Schallfeldes zerlegt werden:
a) den Direktschall
b) die ersten schallstarken Reflexionen und
c) den Nachhall
Die ersten
schallstarken Reflexionen werden vom
Gehör in einer Art Integrationsprozeß dem direkten Schall
zugeordnet und
lautstärkemäßig aufaddiert. Sie bewirken, daß der
Direktschall lauter und
deutlicher wahrgenommen wird und vermitteln, wenn sie auch noch
räumlich
richtig beim Hörer eintreffen, gleichzeitig ein angenehmes,
räumliches Hören.
Die ersten schallstarken Reflexionen bestimmen in allen
Hörräumen entscheidend
die als Gesamteindruck wahrgenommenen Sinnesempfindungen wie
Lautstärke,
Räumlichkeit, Entfernung, Deutlichkeit und Natürlichkeit und
damit die
Hörqualität.
-ihre Schallintensität
gegenüber dem Direktschall noch sehr groß ist,
-ihre Einfallsrichtung möglichst
deutlich von der
Einfalls-richtung des Direktschalls
abweicht und
-ihre Reflexionswinkel an
den Wänden vorzugsweise 90 Grad betragen.
Die Wirkungsweise der ersten schallstarken
Reflexionen gilt für das Hören ganz allgemein. Sie sind der
Schlüssel, mit
dessen Hilfe sich heute alle berühmten Akustikphänomene
leicht erklären lassen,
die früher oft nicht verstanden worden sind.
Die alten Griechen bauten z.B. ihre für die gute
Akustik berühmten Amphitheater mit weitaus steiler ansteigenden
Sitzreihen als
für die gute Sicht erforderlich gewesen wäre. Sie ereichten
damit, daß nach dem
Direktschall die ersten schallstarken Reflexionen über seitliche
und
gegenüberliegende Reflexionsflächen im für das
menschliche Gehör richtigen
Zeitbereich und auch aus einer deutlich anderen Richtung als der
Direktschall
kamen.
Konzertsaalakustik
Während in den
berühmten, kleineren Konzertsälen des
19. Jahrhunderts mit länglicher schmaler Bauform die ersten
schallstarken
Reflexionen meist über die Seitenwände hervorgerufen wurden
(Bild 63), müssen
sie heute in den modernen, großen Konzertsälen, wo
die Seitenwände
wegen des Platzbedarfs für die größeren
Zuhörerzahlen zu weit
auseinandergerückt sind, über spezielle Schallreflektoren an
der Decke erzeugt
werden.
Deshalb war es
über die Jahrhunderte hinweg bis
heute leicht möglich, einen Optimierungsprozeß beim Bau von
Konzertsälen
durchzuführen, ohne dabei irgendwelche akustische Grundkenntnisse
zu haben. Man
probierte einfach. Akustisch gute Räume wurden oft nachgebaut,
wohingegen
schlechte Säle als warnendes Beispiel dienten.
Im 20.Jahrhundert wurden neue Baustoffe wie Stahl
und Stahlbeton verstärkt eingesetzt. Sie ermöglichten viel
größere Konzertsäle.
Neue Konzertsaalformen entstanden, was auch die Problematik der
Konzertsaalakustik erneut bewußt machte. Doch experimentierte man
auch hier
ebenso weiter wie in den vorhergehenden Jahrhunderten und erreichte die
gute
akustische Lösung zunächst lediglich durch Probieren.
Ein weiteres Ergebnis dieser vergleichenden
Untersuchungen ist z.B., daß sich der Unterschied zwischen den
alten und neuen
Konzertsälen nicht unbedingt als "besser" oder
"schlechter", sondern im wesentlichen als "anders"
ausdrücken läßt.
Jeder Raum hat, was eigentlich selbstverständlich
ist, einen anderen Einfluß auf die Reflexionen, die in ihm
entstehen. Da aber
jeder Konzertsaal (wie auch jeder Raum überhaupt) anders ist,
ermöglicht das
neue Verständnis des zeitlich und räumlich richtigen
Eintreffens der ersten
schallstarken Reflexionen endlich, alle Räume und sogar die
unterschiedlichen
Plätze in diesen Räumen annähernd gleich gut zu
beschallen. Aufgrund dieser
Erkenntnisse wurden auch schon erfolgreiche Versuche in Mehrzweckbauten
gemacht, um den speziellen Zweck der Musikwiedergabe, oder bei
Kongressen den
der guten Sprachverständlichkeit, gezielt zu optimieren, indem man
die ersten
schallstarken Reflexionen über zeitverzögerte
Lautsprechereinheiten nachbildete.
Obwohl die
Erkenntnisse über die ersten
schallstarken Reflexionen bereits in den verschiedenen
Konzertsälen und
Kongreßhallen angewendet wurden, dauerte es noch erhebliche Zeit,
bis man
endlich begriff, daß die in Konzertsälen entdeckten
Zusammenhänge
grundsätzlicher Natur waren und Aufschluß über die Art
und Weise des
menschlichen Hörens liefern konnten.
An den
Seitenwänden und an der Decke hatte man
Reflektoren angebracht, damit alle Plätze von den so wichtigen
Reflexionen
erreicht werden können. Jedoch nur an den Sitzplätzen in der
Nähe der
Seitenwände war es möglich, daß die ersten
schallstarken Reflexionen im
akustisch richtigen Zeitbereich eintrafen. In der Nähe der
Seitenwände liefern
diese selbst diese ersten schallstarken Reflexionen im richtigen
Zeitbereich
nach dem Direktschall. Überdies ist dort am Rand des Saals die
Decke niedriger.
Somit liefert dort auch die Decke die ersten schallstarken Reflexionen
im
richtigen Zeitbereich. In der Raummitte erwies sich hingegen die Decke
als zu
hoch, und auch die Seitenwände waren zu weit weg. Die ersten
schallstarken
Reflexionen konnten dort nicht im entscheidenden, akustisch richtigen
Zeitbereich eintreffen, sondern erst nach 54 Millisekunden.
Auf den Plätzen mit dem besten Blick, in der
Raummitte, sowie auf der Bühne, war Akustik am schlechtesten. Auch
die Musiker,
die ja auf Schallinformationen ihrer Mitspieler angewiesen waren,
klagten, sie
können einander nicht ausreichend gut hören. Entsprechend der
Kommentar Leonard
Bernsteins zur Philharmonie: "burn it" ("brennt sie ab!")
Der Autor hat es
sich erlaubt, bereits vor mehreren
Jahren in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung darauf
hinzuweisen, daß
mit Reflektoren in der Raummitte 6 bis 8 Meter über dem Orchester,
aber auch im
Bereich der Bühne die Akustik wesentlich verbessert werden kann.
Mittlerweile
ist man diesem Vorschlag in der Tendenz gefolgt und hängte die
Reflektoren tiefer. Zwar
begrüßen sowohl
Musiker und auch Konzertbesucher diese Maßnahme sehr, doch
hängen diese
Reflektoren immer noch zu hoch - noch nicht niedrig genug. Die
akustische
Verbesserung hätte bei tieferer Aufhängung erheblich
größer sein können -
aber dann hätte wahrscheinlih die Optik gelitten.
Von den
unverstandenen akustischen Phänomen in der
Antike bis zum heutigen Wissenstand in der Psychoakustik gab es einen
ununterbrochenen akustischen Lernprozess. Doch dauerte dieser
Lernprozess so
lange, weil erst einmal das akustische Grundwissen erarbeitet werden
mußte.
Außerdem lief der Lernprozess nach dem Muster von "Versuch und
Irrtum" ab und war folglich zwangsläufig mit vielen Fehlern
behaftet.
Zur geschichtlichen Entwicklung der Akustik gab
es keine Alternative. Die akustischen
Grundlagen über die Art und Weise wie das menschliche Geör
Schallwellen
verarbeitet, sind heute jedem zugänglich. Dennoch scheint sich
heute bei der
Umsetzung und Anwendung der akustischen Grundlagen im Bereich der
elektroakustischen Übertragungskette ein ähnlicher unendlich
langsamer und mit
ebenso vielen Irrwegen behafteter Lernprozeß anzubahnen.
Viele
HiFi-Fachleute, Tonmeister oder
Lautsprecherentwickler müssen sich immer noch vorhalten lassen,
daß sie die
vorliegenden Ergebnisse der Psychoakustik, welche uns zeigen, wie
Menschen
Schall aufnehmen und verarbeiten, nach wie vor in ihrem Fachgebiet
nicht
berücksichtigen. Sondern sie arbeiten so weiter, wie sie es vor 10
oder mehr
Jahren gelernt haben.
Und dabei ist die früher so entscheidende technische
Seite im Bereich der elektroakustischen Übertragungstechnik gar
nicht mehr das
eigentliche Problem. Vielmehr kommt es mittlerweile nur noch darauf an,
den
akustischen Aspekt zu berücksichtigen. Das Gesamtschallereignis
besteht nämlich
- aus direktem Schall (vom Lautsprecher)
- aus ersten schallstarken Reflexionen (von den
Hörraumwänden) und
- aus Nachhall (der im Hörraum gebildet wird).
Diese drei
Komponenten gilt es, beim Hörer - auch in
seinem Wohnzimmer - so eintreffen zu lassen, daß sein Gehör
sie zu optimalen
Klangeindrücken verarbeiten kann. Da aber durch die
Schallverarbeitung unseres
Gehörs festgelegt ist, wie wir zu akustisch hochwertigen
Empfindungen kommen,
müssen diese Erkenntnisse auch bei der High-Fidelity
berücksichtigt werden.
Der Mensch
hört aber immer mit dem gleichen Kopf und
dem gleichen Gehör - ob im Konzertsaal oder im Wohnraum. Dies gilt
auch dann,
wenn er hierbei neue Hörmedien verwendet, wie Lautsprecher oder
Kopfhörer. Auch
sie müssen (wie im guten Konzertsaal) die räumlichen
Schallanteile
- aus Direktschall,
- aus den ersten schallstarken Reflexionen und
- aus dem Nachhall
so liefern, wie sie
von seinem Gehör am besten
verarbeitet werden können.
Immer wieder taucht
in diesem Zusammenhang die Frage
auf, ob es denn überhaupt zulässig sei, im Wiedergaberaum
Reflexionen zu
erzeugen, die doch in der Originalaufnahme gar nicht enthalten sind. Diese Reflexionen stören nicht im
Geringsten.
Im Gegenteil - sie tragen im dazu bei, daß die Originalaufnahme
deutlicher
wahrgenommen werden kann und dabei ein als ganz und gar natürlich
empfundener
Klangeindruck entsteht.
Beim Messen der
Schalldruckverläufe von
Lautsprechern stören diese Reflexionen allerdings. Nur deswegen
haben die
Meßtechniker den schalltoten Meßraum, der keine Reflexionen
zuläßt, und der bei
Messungen absolut neutral ist, als den fürs Musikhören
idealen Raum propagiert.
Dieses institutionalisierte Übel der stark bedämpften
Hörräume hat bis in die
Mitte der 80er Jahre eine akustisch hochwertige Musikwiedergabe in
Wohnräumen
oder HiFi-Studios behindert. Nach wie vor, wenn auch immer seltener,
stößt man
auf HiFi-Studios mit stark schallschluckenden Materialien an den
Wänden.
1.Von der Reflexion her hörraumangepaßte, räumlich
richtige und akustisch hochwertige
Wiedergabe über Lautsprecher.
2.Keine wandernden oder
springenden Ortungen während des Umhergehens bei
Lautsprecherwiedergabe,
genauso wie beim Umhergehen im Konzertsaal.
3.Dem Hörmedium Kopfhörer
angepaßtes, kopfbezogenes Musikmaterial für psychoakustisch
richtige
Kopfhörerwiedergabe.
4.Volle Kompatibilität des
Musikmaterials für optimale raumangepaßte
Lautsprecherwiedergabe sowie
kopfbezogene Kopfhörerwiedergabe ohne Einschränkungen
irgendwelcher Art.
5.Eine entsprechende
Aufnahmetechnik, die sich ihrer Stellung
als erstes Glied der gesamten elektroakustischen
Übertragungskette
bewußt ist, dies durch die Mikrofonaufstellung und Abmischtechnik
berücksichtigt und nicht die angestrebten akustischen
Ziele bereits im Keim erstickt.
Auch für den
Begriff "High-Fidelity" müssen
neue Ziele formuliert werden, die über die rein technischen Daten
der DIN 45 500 hinausgehen.
Entfernungshören
Zum einen wird beim
Entfernungshören das Verhältnis von wahrgenommenem
Direktschall zum
Indirektschall ausgewertet. Zum anderen kann aber bereits die
Klangfarbenveränderung des Direktschalls, die durch dessen Laufweg
in der Luft
bewirkt wird, allein für sich oder im
Verhältnis zu den ersten schallstarken Reflexionen ausgewertet
werden.
Hier zeigt sich sowohl bei bekannten als auch
unbekannten Stimmen bzw. Geräuschen ein großer Unterschied.
Bekannte Geräusche
oder Stimmen können bereits an Hand der Klangfarbenänderung
ausgewertet werden,
die durch den direkten Übertragungsweg entstehen. Die Auswertung
geschieht,
indem sie echtzeitmäßig intelligent mit den im
Gedächtnis gespeicherten Werten
verglichen werden.
Bei unbekannten Geräuschen kann fast immer nur die
Lautstärke pauschal ausgewertet werden. Auf diese Weise
läßt sich auch ein
weiter entferntes, lautes, aber unbekanntes Geräusch als nahe oder
ein nahes,
leises, jedoch unbekanntes Geräusch als weiter entfernt orten. Bei
bekannten
Geräuschen hingegen können diese Fehler nicht auftreten.
Der
Nachhall
Trotzdem können die Unterschiede eines auf
natürliche Weise in einem Hörraum aufgebauten räumlichen
Nachhalls im Gegensatz
zu einem mit technischen Hilfsmitteln erzeugten Nachhalls wahrgenommen
werden.
Die mit technischen Mitteln vollzogene künstliche
nachträgliche Verhallung von
Musikstücken wirkt oft unnatürlich.
Die Nachhallzeit
eines Raumes bei einer bestimmten
Frequenz oder in einem bestimmten Frequenzbereich ist diejenige
mittlere
Zeitspanne, in welcher der Schallpegel nach Abschalten einer
Schallquelle um 60
dB absinkt. Sinkt der Schalldruck im Bereich des ausklingenden
Nachhalls nicht
gleichmäßig ab, sondern weist Knickstellen auf, ist dies der
Hinweis auf ein
nicht genügend diffuses Schallfeld in diesem Frequenzbereich.
Auch in normalen Wohnräumen mit schallharten Wänden
und Decken lassen sich die Mindestanforderungen bezüglich der
Nachhalldauer
ohne weiteres erreichen. Wenn also die Grundelemente für das
Erkennen eines
musikalischen Schallereignisses erst einmal vollständig gegeben
sind, ist unser
Gehör in bezug auf die übrigen
Einflußgrößen, wie etwa die Dauer des Nachhalls,
recht anpassungsfähig.
Jeder gute
Hörraum muß demnach die einzelnen, für
die Hörempfindung maßgeblichen Teilbereiche der Schallfelder
so eintreffen
lassen, daß unser Gehör ein seiner Wirkungsweise
angemessenes Optimum an
Wahrnehmungsmöglichkeiten vorfindet. So sollen Direktschall, erste
schallstarke
Reflexionen und Nachhall in bestimmten Zeitintervallen nacheinander und
auch
jeweils anders räumlich verteilt beim Hörer eintreffen, um
eine hochwertige
akustische Qualität zu gewährleisten.
Da diese Gesetzmäßigkeiten
für unser Gehör ganz
allgemeingültig ermittelt wurden, gelten sie
selbstverständlich auch für die
Musikwiedergabe über HiFi-Anlagen in Wohnräumen sowie
für Kopfhörerwiedergabe.
Während somit bei einem Live-Konzert der Saal selbst das
Hörmedium ist und das
Schallfeld so eintreffen läßt, daß wir differenziert,
räumlich und raumbezogen
hören, schiebt sich bei elektroakustischer Wiedergabe zwischen den
endgültigen
Hörvorgang die Aufnahme- und Wiedergabetechnik. Da Aufnahme- und
Wiedergabetechnik nur Mittel zum Zweck sein sollen und kein
eigenständiges
künstlerisches Medium für Tonmeister oder Lautsprecherbauer,
stellt sich
einerseits die Frage nach der Zielsetzung von High-Fidelity und
andererseits
die Frage nach der technischen und akustischen Verwirklichbarkeit der
jeweiligen Ziele.
Die Grundfrage, die
sich zu Beginn der HiFi-Ära
stellte lautete:
Das menschliche
Gehirn mit seiner außerordentlichen
Gedächtnisleistung und echtzeitmäßigen Verarbeitung
optischer, akustischer und
sensorischer Reize, die dauernd im Gesamtzusammenhang
überprüft und mit
gespeicherten Erfahrungswerten verglichen werden, ermöglicht eine
optimale,
schnelle und intelligente Verarbeitung jeder Wahrnehmungssituation in
einem
Ausmaß, das auch heute noch immer wieder überrascht.
Daß Musikern,
die immer mitten im Klanggeschehen
sind, denen also die Noten und die Feinheiten der unterschiedlichen
Interpretationen verschiedener Dirigenten geläufig sind und die
dies alles im
Gedächtnis gespeichert haben, oft relativ schlechte HiFi-Anlagen
für einen
befriedigenden Musikgenuß durchaus genügen, ist
verständlich aufgrund der
intelligenten Verarbeitung. Für diese Leute dient das Abhören
von Aufnahmen
hauptsächlich als Erinnerung und zur Assoziation des bekannten und
gespeicherten Live-Erlebnisses.
Nur im unmittelbaren Vergleich kann man ihnen
Unterschiede zwischen guten und schlechten Lautsprechern demonstrieren.
Auch
die höherwertigen Lautsprecher dienen dann aber sofort wieder nur
zur
"verbesserten Assoziation" des bekannten Live-Erlebnisses.
Optische Einflüsse beim Hören
Auch die
Vorstellung, einen Raum ebenso hören zu
können, wie man ihn sehen kann, ist irrig. Wir hören nicht
den Raum, sondern
stellen fest, daß der Raum das Klangbild spürbar
beeinflußt; am Beispiel der im
Konzertsaal angebrachten Reflektoren wird dies plausibel. Es wird kein
anderer
Raum erzeugt, sondern durch räumliches und zeitliches Eintreffen
der ersten
schallstarken Reflexionen die Raumakustik verbessert, damit beim
Hören eine
akustisch hochwertige Klangempfindung entsteht. Da auf guten und
schlechten
Plätzen im gleichen Konzertsaal die ersten schallstarken
Reflexionen vom Gehör
bis zu 5O ms aufintegriert werden (siehe 11.7), lassen sie
nachträglich keinen
Rückschluß auf den Raum zu, sondern nur eine auf den Platz
bezogene Beurteilung
der Gesamtwirkung aller Reflexionen, der "Akustik". Dies erklärt
schlüssig, daß man Räume nicht hören, sondern nur
unterschiedliche Akustiken
wahrnehmen kann (siehe auch 15.1). Auch auf guten Plätzen direkt
nebeneinander
sind deshalb kleine Unterschiede deutlich zu hören, die aber auf
keinen Fall
als besser oder schlechter interpretiert werden können, sondern
nur als leicht
unterschiedlich.
Bei schlechter räumlicher Anpassung der HiFi-Box an
den Wohnraum glaubt man oft, nur die Boxen seien nicht gut, bei guter
Anpassung
meint man viel eher, hochwertige Boxen vor sich zu haben. Zwar wird der
Raum
nicht bewußt gehört, aber er bewirkt maßgeblich, ob in
ihm die Künstler oder
die Boxen gut oder schlecht klingend
empfunden
werden. Deshalb sind auch alle Aussagen bei Lautsprechertests immer nur
für den
Testraum gültig, und selbst da nur für die gewählte
Aufstellung der
Lautsprecher.
Abstract
Heute übliche Lautsprecherbeurteilungen bestehen aus
Schalldruckmessungen
und subjektiven Klangbeschreibungen. Damit werden Phasenfehler und
Impulsverzerrungen
aber nicht erfaßt.
Dies ist nur möglich mit Rechtecksignalen. Da es jetzt
Lautsprecher
gibt, die Rechtecksignale akustisch richtig wiedergeben können,
ist
es Zeit dieses Meßkriterium bei Lautsprechern einzuführen.
Wenn in Zukunft ein Lautsprecher, der Rechtecksignale wiedergeben
kann, die Musik trotzdem nicht gut klingen läßt, dann ist er
eben im Hörraum nicht richtig aufgestellt, nicht richtig auf den
Hörraum
eingestellt, oder das Musikmaterial taugt nichts. Man kann endlich
zwischen
technischen und akustischen Fehlern klar unterscheiden. Die
häufigsten
technischen bzw. akustischen Fehler werden beschrieben.
Aber nicht nur die linearen Verzerrungen der Lautsprecher werden bis heute einfach ignoriert, auch ganz primitive akustische Fehler werden meßtechnisch überhaupt nicht erfaßt. Überdies werden all diese unterschiedlichen Fehler bei heutigen Hörtests lediglich in ihrem Gesamteindruck bewertet. Eine solch undifferenzierte und zwangsläufig rein geschmacklich orientierte Bewertung reicht heute nicht mehr aus.
Die richtige Lösung lautet: Der lineare Schalldruckverlauf der Lautsprecher ist zwar wichtig, um Klangverfärbungen zu vermeiden, noch viel wichtiger aber ist die völlig unverzerrte Wiedergabe von komplexen und impulsförmigen Einschwingvorgängen. Denn gerade diese sind typisch für jedes Musikinstrument, für jede Stimme und für jedes Geräusch. Wenn man beispielsweise von einem Tonanschlag auf dem Klavier den Einschwingvorgang wegschneidet und nur das Weiter- und Ausklingen zu Gehör bringt, so ist das Musikinstrument nicht mehr als Klavier erkennbar /1/. Dies gilt grundsätzlich für jedes Instrument, sowie für Stimmen und für Geräusche.
Da die Form der Hüllkurve einen entscheidenden Einfluß
darauf
hat, wie der Klang wahrgenommen wird, ist verständlich, daß
Veränderungen in der Form der Hüllkurve von
größter
Bedeutung für den Klangeindruck sind.
Nachweisen
lassen sich solche Verfälschungen des Signals am besten mit Hilfe
einer vorgegebenen Signalform, z.B. durch Rechtecksignale.
Rechtecksignale
enthalten bekanntlich das gesamte Frequenzspektrum - nicht anders als
die
Musik. So wie sich beim unverfälschten Musiksignal die
Hüllkurve
aus der richtigen Überlagerung von Grund- und Obertönen
zusammensetzt,
ergibt sich die korrekte Form des Recht- ecksignals aus der
phasenrichtigen
Überlagerung aller sinusförmigen Frequenzanteile. Deshalb
kann
man mit Messungen von Rechtecksignalen alle klangbeeinflussenden
Veränderungen
der Hüllkurven erfassen - egal ob es sich dabei um lineare,
nichtlineare
oder akustisch bedingte Verzerrungen handelt.
Die technischen Möglichkeiten, um Rechtecksignale akustisch
richtig
wiederzugeben, sind bereits vorhanden. Dies zeigen die folgenden
Oszillogramme
eines frequenz- und phasenkompensierten Lautsprechers /2/3/4/.
Veränderungen der Signalform, z.B. durch Phasenfehler sind im Frequenzbereich zwischen 250 und 1000 Hertz am deutlichsten hörbar. Wenn daher bei allen Komponenten einer Musikwiedergabekette die Messungen mit Rechtecksignalen durchgeführt werden, und zwar im besagten Frequenzbereich bei 250, 750 und 1000 Hz, dann kann im direkten Vergleich deutlich gemacht werden, wo das klanglich schwächste Glied in der elektroakustischen Übertragungskette sitzt.
Nun können aber nicht nur Phasenfehler den Klang beeinträchtigen, sondern auch akustische Fehler. Um diese aufzudecken, eignen sich ebenfalls Rechtecksignale ganz vorzüglich.
Akustische Fehler entstehen vor allem dann, wenn das den Klang bestimmende Tonsignal falsch zusammengesetzt oder durch Reflexionen verändert wird. Diese akustisch bedingten Veränderungen der Signalform lassen sich durchaus mit den technisch bedingten Signalverfälschungen durch Phasenfehler vergleichen. Auch gehörmäßig wirken sie sich ähnlich aus: Der Klang verliert an Natürlichkeit, die Ortbarkeit der Instrumente wird beeinträchtigt, und es entstehen künstliche Räumlichkeitseffekte.
Die Begriffe "Klang" und "Räumlichkeit" haben sich bis heute einer objektiv nachvollziehbaren Bewertung entzogen. Aufgrund der technischen Fehler in der Wiedergabekette, vor allem bei den Lautsprechern, wurden die akustischen Fehler meist gänzlich verdeckt. Manche Firmen machen sich diesen Sachverhalt sogar zunutze und erzeugen bewußt "firmenspezifische" Phasenfehler in ihren Lautsprechern. Sie stützen sich hierbei auf den Geschmack einer bestimmten Hörerschicht, die an solchen Effekten Gefallen findet. Solche nur subjektiv zugängliche Klang- und Räumlichkeitseffekte haben geschmacksneutrale Bewertungen des Musikmaterials über Lautsprecher bis heute verhindert. Daran mußten letztlich auch alle Versuche scheitern, eine Standardisierung der Abhörbedingungen im Tonstudiobereich herbeizuführen.
Die Betrachtung und Überprüfung der musikalisch relevanten
Signalform ist ein vollkommen neuer Denkansatz. Viele Fehler in der
gesamten
elektroakustischen Übertragungskette, die bisher oft nur aus dem
Blickwinkel
des linearen Schalldruckverlaufs gesehen wurden, müssen daher neu
bewertet werden. Betrachten wir der Reihe nach die häufigsten
technischen
und akustischen Fehler:
zeigen
irgendwo eine Resonanzfrequenz, einen steilen Abfall im
Schalldruckverlauf
am oberen und unteren Ende des Übertragungsbereichs, extreme
Phasendrehungen
innerhalb des Übertragungsbereichs und weisen deutliche
Impulsverzerrungen
auf.
Diese Phasenfehler bewirken frequenzabhängige, zeitliche Verschiebungen der unterschiedlichen Frequenzanteile gegeneinander. So werden tieffrequente Schall- anteile bis zu minus 180 Grad gegenüber der Nullage versetzt, hochfrequente Schallanteile hingegen bis zu plus 90 Grad. Bei Impulsen oder bei Tonbursts bewirken diese Phasen- bzw. Zeitfehler deutliche Ein- und Ausschwingverzerrungen (Bild 4a,b,c).
Werden bei Rauschsignalen, Rechteck- oder Musiksignalen Frequenzgemische abgestrahlt, überlagern sich die unterschiedlichen Frequenzanteile wegen der gegenseitigen Phasenverschiebungen zu verfälschten Hüllkurven.
Das ist unter anderem der Hauptgrund, weshalb Lautsprecher mit absolut identischem Schalldruckverlauf, aber ungleichem Phasenfrequenzgang, unterschiedlich klingen. Da außerdem die eigentlich zusammengehörigen Tief- und Hochtonanteile des Signals zeitlich gegeneinander versetzt werden, wird überdies die Ortung der Schallquellen verfälscht - es entstehen überräumliche Höreindrücke.
Wer mit
elektrodynamischen Lautsprechern Musik hört oder gar
Aufnahmequalität
beurteilen will, muß folglich etwas gegen die prinzipbedingten
Fehler
dieser Wandler unternehmen. Wenn das nicht geschieht, ist der
Klangeindruck
zwangsläufig von vornherein verfälscht.
Eine erprobte und in der Praxis bewährte Möglichkeit ist
die
TPS-Lautsprecherentzerrung (TPS=Transducer Preset System) /4/5/. Sie
bildet
als elektronische Schaltung genau das inverse Eigenverhalten eines
Lautsprecherchassis
im Schalldruckverlauf und im Phasenfrequenzgang nach. Vor das passende
Chassis gesetzt kann das gesamte Fehlverhalten des Chassis in Echtzeit
kompensiert werden (Bild 5, 6a,b,c).
Schalldruckverlauf
einzelner Chassis von Mehrwege-Lautsprechern begrenzt, kann eine
Beeinflussung
der Phasenlage nicht verhindern. Die unterschiedliche
Phasenverschiebung
bei verschiedenen Frequenzen bewirkt, daß die Wiedergabe von
Impulsen
durch Ein- und Ausschwingverzerrungen verfälscht wird. Dies ist
physikalisch
bedingt. Daher ergeben sich diese Fehler nicht nur mit passiven und
aktiven,
rekursiven Analog-Filtern, sondern ebenso auch bei rekursiven
Digital-Filtern.
Digital-Filter kann man auch als nichtrekursive Filter
ausführen.
Diese werden als FIR-Filter (FIR=Finite-Impulse-Response) bezeichnet.
Solche
Filter erlauben die Einstellung der Phase unabhängig von der
Amplitude
(Betrag). Nun dürfen aber in der Audiotechnik keinerlei
Laufzeitunterschiede
zwischen tiefen und hohen Tönen auftreten. Folglich müssen
diese
Filter so konstruiert sein, daß sie einen absolut linearen
Phasengang
besitzen. Die FIR-Filter mit linearem Phasengang erzeugen bei allen
Frequenzen
die gleiche Phasendrehung (die gleiche Laufzeitdifferenz)
gegenüber
dem Originalsignal. Sie weisen aufgrund ihrer Arbeitsweise nicht die
kürzestmögliche
Signallaufzeit auf (sie sind nicht minimalphasig) /6/. Hierdurch geht
die
Möglichkeit verloren, mit solchen Filtern die Signalverarbeitung
in
Echtzeit durchzuführen. Dies wiederum ist nicht akzeptabel
für
die Kombination verschiedener Lautsprecher untereinander oder die
Kombination
von Bild und Ton, sowie die praktischen Erfordernisse der
Signalbearbeitung
in Tonstudios /7/.
Auch
bei Koaxial-Lautsprechern lassen sich die Verzerrungen der Signalform
mit
den üblichen Schalldruckmessungen im Fernfeld der Chassis nicht
aufzeigen.
Wenn z.B. bei Zweiwege-Koaxial-Lautsprechern die konzentrisch um die
Hochtonmembran
herum angeordnete Tiefmitteltonmembran in Schwingungen versetzt wird,
treten
an den inneren und äußeren Rändern gegenphasige
Druckbeanspruchungen
auf. Am äußeren Rand, also zum Lautsprechergehäuse hin,
bleiben diese Druckbeanspruchungen klanglich ohne Folgen, weil
das
Gehäuse nicht mitschwingt. Anders jedoch am inneren Membranrand,
also
zur Hochtonmembran hin. Hier wirkt der enorme Schalldruck des
Baßbereichs
aus unmittelbarer Nähe ungehindert auf die leichte, nachgiebig
eingespannte
und separat schwingungsfähige Hochtoneinheit ein und verursacht
schwerwiegende
Verzerrungen (Bild 9). Sie werden als nichtlineare Verzerrungen und als
Einschwingverzerrungen hörbar und lassen sich auch
meßtechnisch
ohne weiteres nachweisen.
Vergleichbare Probleme und ähnliche Verzerrungen treten auf,
wenn
der Hochtöner als separate Einheit unmittelbar vor den
Tiefmitteltöner
montiert wird (Bild 10).
Für jeden, der diese Probleme genauer untersucht hat, versteht
es sich von selbst, daß angesichts dieser Fakten die Lösung
der fehlerfreien Lautsprecherwiedergabe in Zukunft nicht mehr darin
liegen
kann, das Tonsignal durch die Filter von Frequenzweichen aufzutrennen
und
es danach über mehrere Lautsprecherchassis wieder
zusammenzufügen.
Die neue Betrachtungsweise der unverfälschten Signalform verhilft nun dazu, das Problem der Kurzzeitreflexionen genau zu erfassen. Wann treffen nämlich Reflexionen zu schnell nach dem Direktschall beim Hörer ein? Das technisch meßbare Kriterium hierfür ist: An der untersten Frequenz, bei der Phasenfehler vom Gehör deutlich nachvollzogen werden können, dürfen keinerlei Verfälschungen der Rechtecksignalform auftreten. Maßgeblich dafür ist die Rechtecksignalfrequenz von ca. 250 Hertz. Hieraus folgt: Zwischen dem Direktschallsignal und den ersten schallstarken Reflexionen muß die Wegdifferenz ca. 1,3 Meter betragen und die Zeitdifferenz etwa 4 Millisekunden.
Außerdem kann durch die Betrachtung der Signalform die
spezielle
akustische Problematik der Kurzzeitreflexionen besser verstanden
werden.
Jedes Musiksignal besteht ja aus sinusförmigen Grundwellen mit
sehr
großen Schwingungsamplituden. Werden jetzt zwei solcher
Musiksignale
mit annähernd gleicher Grundwellenstruktur nur geringfügig
zeitversetzt
miteinander überlagert, bilden sich vollkommen neue,
kammfilterartige
Signalformen mit absolut markanten Ein- und Ausschwingvorgängen.
Die
Ein- und Ausschwingvorgänge der Instrumente, die ursprünglich
das Musiksignal geprägt haben, sind in diesen neu geprägten
Signalformen
fast nicht mehr zu erkennen. Stattdessen bestimmen nun die neuen,
verfälschten
Signalmerkmale den Klang, sowie die Ortungen und die
Räumlichkeitseindrücke.
Im folgenden sollen die häufigsten, durch Kurzzeitreflexionen
verursachten akustischen Fehler bei der Lautsprecherwiedergabe
beschrieben
werden.
nur
den Schalldruckverlauf. Die Problematik der Signalformverfälschung
wird besser verständlich, wenn die reflektierte Wellenfront in
Verbindung
mit einer Spiegelschallquelle dargestellt wird (Bild 11) /9/. Sobald
nämlich
zwei wenig gegeneinander zeitversetzte Rechtecksignale miteinander
überlagert
werden, kann nie mehr die unverfälschte Signalform erreicht
werden,
selbst wenn man mit "Equalizern" den linearen Schalldruckverlauf
wiedereinstellt
(siehe hierzu auch die Bilder 12,a,b,c).
Diese Fehler lassen sich durch die folgenden Aufstell-Bedingungen
vermeiden:
a) Lautsprecher sollten zu einer dahinterliegenden Wand mindestens
einen Abstand von 60 cm haben; 80 cm sind besser, ein Meter ist
optimal.
b) Die Lautsprecher sollten zu einer seitlichen Wand mindestens einen
Abstand von 80 Zentimetern haben; ein Meter ist besser, eineinhalb
Meter
sind optimal.
Vor allem wird immer wieder übersehen, daß auch der Boden
eine Reflexionsfläche ist und auch hier sinngemäß die
gleichen
Abstände einzuhalten sind wie zu einer Seitenwand, nämlich
mindestens
80 Zentimeter.
Direktschallsignal
des Lautsprecherchassis zeitversetzt, da ihr Laufweg innerhalb der Box
und durch den Reflexkanal hindurch verläuft. Dieser Laufweg
prägt
auch ihr kammfilterartiges Einschwingverhalten. Über der
Resonanzfrequenz
der gewählten Gehäuse-Reflexkanal-Konstruktion ist der
akustisch
wirksame Laufweg nur noch ca. 20 - 60 Zentimeter, es bilden sich
Kurzzeitreflexionen.
Bild 12a,b,c zeigt anhand von Rechtecksignalen mit verschiedenen
Frequenzen,
wie die Kurzzeitreflexionen der Reflex-Schallanteile jeweils die
Signalform
verfälschen.
Vor allem bei Zweiwege-Lautsprechern werden diese Fehler deutlich
hörbar.
Der Grund ist, daß bei diesen Lautsprechern der untere
Frequenzbereich
meist bis über 1000 Hertz reicht, und man sich somit
Verfälschungen
genau in jenem Frequenzbereich einhandelt, wo sie am deutlichsten
hörbar
sind.
Aufstellungsweise
aber erzeugt Kurzzeitreflexionen. Zusätz- lich wird dieser
Lautsprecher
mit einem eigens mitgelieferten Equalizer betrieben. Equalizer aber
erzeugen
Phasenfehler. Da Kurzzeitreflexionen und Phasenfehler in gleicher Weise
räumliche Effekte bei der Musikwiedergabe bewirken, ist es kein
Wunder,
daß dieser Lautsprecher, eben wegen seiner extremen
räumlichen
Effekte, bekannt wurde.
selbstverständlich
keine Frequenzweiche benutzt. Das für einen solchen
Vollbereichs-Punktstrahler
verwendete System besteht aus einem neuartigen
Breitband-Lautsprecherchassis
(Bild 14) /4/12/.
Es verhindert die Verzerrungen der üblichen Breitband-Lautsprecher und verwirklicht somit das Konzept einer technisch und akustisch hochwertigen, punktförmigen Schallquelle mit kleiner Abstrahlfläche. Dieses Chassis wird durch eine speziell abgestimmte Entzerrschaltung von den vorhin dargelegten, prinzipbedingten Fehlern der elektrodynamischen Wandler befreit. Gehäusebedingte Kurzzeitreflexionen werden durch eine kleine Frontfläche mit unsymmetrischer Chassisanordnung vermieden, und eine Baßverstärkung durch das Baßreflexprinzp findet von vornherein gar nicht erst statt.
Aufstellungsbedingte Kurzzeitreflexionen lassen sich durch die akustisch richtige Handhabung im Hörraum vermeiden. Die kleinen Gehäuse der Vollbereichs-Punktstrahler bieten die beste Voraussetzung für ihre optimale Plazierung im Hörraum.
In
kleinen Räumen mit rechteckigem Grundriß sollten die
Lautsprecher
immer mit dem notwendigen Abstand vor der langen Wandseite aufgestellt
werden. Den Abstand zu den Seitenwänden sollte man dabei so
groß
wie möglich wählen. Dies gewährleistet, daß:
1.) der Direktschall nicht zu früh von den ersten schallstarken
Reflexionen überlagert und dabei verfälscht wird und
2.) die ersten schallstarken Reflexionen deutlich von den Seiten und
von oben beim Hörer eintreffen und nicht aus der gleichen Richtung
kommen wie der Direktschall (Bild 15).
Würde man stattdessen die Boxen an der kurzen Wandseite aufstellen, ließen sich die besagten akustischen Fehler niemals vermeiden (Bild 16).
Auch in quadratischen Hörräumen läßt sich nie ganz jene akustische Qualität erzielen wie in rechteckigen Räumen bei richtiger Lautsprecheraufstellung. Der Grund liegt in der Neigung zu Raumresonanzen zwischen den jeweils gleich weit entfernten, gegenüberliegenden Hörraumwänden. Werden aber die Wän- de wegen der Resonanzen bedämpft, leiden auch die ersten schallstarken Reflexionen darunter (Bild 17).
Wichtig ist auch, daß man solche Vollbereichs-Punktstrahler auf das individuelle Dämpfungsverhalten unterschiedlicher Hörräume einstellen kann. Viele Stoffe, Teppiche, Vorhänge sowie das übliche Dämpfungsmaterial in Tonstudios schlucken die hohen Frequenzen oft stärker als die Bässe. Noch nachteiliger als auf die ersten schallstarken Reflexionen, wirkt sich diese Bedämpfung auf den Nachhall aus, bei dem ja die Schallwellen mehrfach reflektiert werden. In diesem Fall klingt der Nachhall dumpf - das Klangbild ist schlecht.
Abhilfe schaffen in dieser Situation spezielle, in das Gehäuse des Vollbereichs-Punktstrahlers integrierte Raumakustik-Lautsprecher-Chassis. Diese Zusatzlautsprecher strahlen genau den Frequenzbereich über 5000 Hertz ab, der von Textilien vorwiegend bedämpft wird. Außerdem erfolgt die Schallabstrahlung nicht nach vorne, sondern nach den Seiten und nach oben - und zwar stark gebündelt. Die Bündelung und die zeitliche Verzögerung dieser von den Begrenzungswänden reflektierten Signale verhindern die Überlagerung mit dem Direktschallsignal des Vollbereichs-Punktstrahlers.
Diese Zusatzlautsprecher machen es somit möglich, die
Klangwiedergabe
dem Dämpfungsverhalten unterschiedlicher Hörräume
optimal
anzupassen, und zwar ohne, daß dabei das perfekte
Direktschallsignal
des Vollbereichs-Punktstrahler verfälscht wird. Ihr Regelbereich
ist
so ausgelegt, daß man in großen oder kleinen Räumen
mit
mehr oder weniger Bedämpfung den Nachhall weitgehend
frequenzneutral
einstellen kann /4/13/.
Um Klang- und Räumlichkeitsfehler bei allen HiFi-Geräten, vor allem aber bei Lautsprechern, erkennen zu können, ist deshalb die Messung von Rechtecksignalen ins Standardmeßprogramm mit aufzunehmen. Viele technische und akustische Fehler lassen sich nämlich mit Schalldruckmessungen nicht erfassen, obwohl sie deutliche Veränderungen in der klangrelevanten Signalform bewirken.
Deshalb sind Lautsprecher, die nachweislich Rechtecksignale richtig wiedergeben können, eine wichtige Voraussetzung für die naturgetreue Klangwiedergabe. Außerdem können akustische Fehler nur mit solch technisch einwandfreien Lautsprechern erkannt werden. Nicht zuletzt ist festzuhalten, daß alle anderen Komponenten der elektroakustischen Übertragungskette heute bereits Rechtecksignale richtig übertragen.
Die richtige Rechteckwiedergabe bei Lautsprechern hat die gleiche
Bedeutung
wie die richtige Rechteckwiedergabe bei Verstärkern in den
sechziger
Jahren. Beides sind fundamentale Fortschritte und wichtige
Voraussetzungen
für die hochwertige Musikwieder-gabe. Nichts aber bringt dem
HiFi-Gedanken
mehr Zulauf als solche Fortschritte.
So liegt die Ursache für den schlechten Klang der meisten
Klavieraufnahmen
vor allem darin, daß man zu viele Mikrofone einsetzt und dann die
nur geringfügig gegeneinander zeitversetzten Signalanteile
zusammenmischt.
Ebenso führt das willkürliche Zusammenmischen von Haupt-
und Stützmikrofonen zum Verlust der real vorhandenen
räumlichen
Verteilung der Instrumente und bewirkt künstliche räumliche
Effekte
/4/.
Zunehmend deutlicher wird, daß die räumliche Erfassung der Musik durch das richtige Aufstellen der Mikrofone im Aufnahmeraum genauso wichtig ist, wie die richtige Lautsprecheraufstellung im Wiedergaberaum.
Auch die Klangbearbeitung durch Filter im Mischpult verfälscht die Signalform. Während die Klangnachbearbeitung des Tonmaterials noch bis vor kurzem als wichtige Aufgabe des Tonmeisters galt, wird deren Problematik gerade heute offenkundiger denn je. Wenn nämlich die fehlerfreie technische und akustische Signalwiedergabe vom Musikinstrument bis zum Ohr des Hörers möglich ist, die Klangbearbeitung durch Filter aber unvermeidliche Signalverfälschungen hervorruft, müssen solche Maßnahmen in Zukunft unterbleiben.
Betrachtet man die klangrelevante Signalform der Musikinstrumente,
so
wird verständlich, daß schon bei der erstmaligen
Verfälschung
des Musiksignals der Natürlichkeitsbezug verlorengeht, die Ortung
verfälscht wird und künstliche räumliche Effekte
entstehen.
Wenn aber der Natürlichkeitsbezug einmal fehlt, dann können
weitere
technische oder akustische Fehler nur noch von der Geschmacksebene aus
beurteilt werden. Der Geschmack der Menschen ist aber höchst
unterschiedlich,
deshalb kann es keine objektiv richtig Lösung mehr geben. Und hier
schließt sich ein wahrer
Teufelskreis.
In vielen Tonstudios sind nämlich noch technisch und akustisch
überholte
Einrichtungen in Gebrauch, die eine qualifizierte Beurteilung des
Tonmaterials
bei der Aufzeichnung gar nicht zulassen.
Außerdem ist heute richtiges bzw. fehlerfreies Musikmaterial
noch keine Selbstverständlichkeit. Wird aber zur
gehörmäßigen
Beurteilung von technisch fehlerfreien Lautsprechern ungeeignetes
Musikmaterial
verwendet, ergibt sich natürlich auch ein schlechter
Klangeindruck.
Dieser ist aber nicht den Lautsprechern anzulasten, sondern dem
schlechten
Tonmaterial.
Vor allem im Klassikbereich sind über 95 Prozent der Aufnahmen nicht so, wie sie sein könnten. Die meisten Fehler wurden bereits erwähnt. Bei Klassikaufnahmen kommt noch hinzu, daß immer wieder versucht wird, nicht nur die Musik zu übertragen, sondern auch die Aufnahmeraumakustik - und dies obendrein gleichermaßen für Lautsprecher- wie Kopfhörerwiedergabe.
Für richtig aufgezeichnetes Musikmaterial hingegen spielt der
Aufnahmeraum
keine Rolle mehr. Bei der Lautsprecherwiedergabe stehen die Musiker
fast
greifbar im Hörraum, links, in der Mitte und rechts - sie sind
deutlich
ortbar, präzise aufgezeichnet und deswegen auch musikalisch
beeindruckend.
Solche Aufnahmen machen auf Anhieb klar, wie unmittelbar die Musik die
Emotionen ansprechen kann.
